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Fein gesponnen
Sylvia Kaufmann über Kaschmir und seine unterschiedlichen Qualitäten
"Kaschmir ist edel und rar. Doch wer einen
Cardigan oder Pullover vom Vlies der Kaschmirziege besitzt, hat ein
Stück fürs Leben - bei richtiger Pflege." Wäre der Begriff nicht schon vergeben, so ließe sich Kaschmir wahrlich als Goldenes Vlies bezeichnen.
Das flaumige Unterhaar der Kaschmirziege beginnt erst bei minus 35 Grad zu wachsen, um das Tier gegen Wind und Kälte zu schützen. Ein männliches Tier produziert um die 150, ein weibliches lediglich 50 bis 100 Gramm. Die wolle von vier bis sechs Ziegen steckt in einem Pullover. Bei einem Jahresertrag von weltweit schätzungsweise 6000 Tonnen liegt es nahe, dass nicht in jedem Kaschmirpullover reiner Kaschmir steckt.
Warum kann ein Kaschmir-Pullover 60 oder auch 600 Euro kosten?
Kaufmann: Die Qualität des Rohstoffs und die Verarbeitung bestimmen den Preis und erklären die krassen Preisunterschiede. So ist zum Beispiel heller Kaschmir teurer als dunkler. Und Twoply-Ware, also doppelt gezwirntes Garn, ist besser als one ply, denn es ist wesentlich formbeständiger. Ganz entscheidend ist jedoch die Qualität der Faser: Je feiner und länger die Faser ist, desto besser eignet sie sich für edle Strickwaren. Und schließlich sollten hochwertige Kaschmirteile in Form gestrickt nicht etwa aus bereits gestrickten Teilen zugeschnitten werden.
Woran erkennt der Kunde ein hochwertiges Kaschmir –Erzeugnis?
Kaufmann: Eigentlich gar nicht, Kaschmir-Kauf ist Vertrauenssache. Der Artikel sollte allerdings mit „100% Kaschmir“ ausgezeichnet sein.
Kann man denn nicht fühlen, dass es sich um flauschigen Kaschmir handelt?
Kaufmann: Nein, selbst erfahrene Fachleute können sich da täuschen. Das Etikett „reiner“ oder „purer“ Kaschmir ist Bauernfängerei, da es kein Gütesiegel ist. Laut Deutschem Wollinstitut ist ein Viertel aller Kaschmirtextilien falsch deklariert, sprich es sind andere Wollarten beigemischt. In krassen Fällen handelt es sich um komplett gefälschte Ware, die mit Weichmachern auf Kaschmir getrimmt ist.
Was sonst entscheidet über Qualität und Preis?
Kaufmann: Wie überall ist das Seltene teurer als die Massenproduktion. Nur wenige Garnfabriken haben das Know-how Kaschmir richtig zu spinnen und zu färben. Das Garn braucht Stabilität und Elastizität zugleich. Unsere Produktionsstätten in Italien verwenden ausschließlich hochwertig hergestellte Garne. Wir lassen unsere Ware nur in Italien fertigen. Es ist immer noch das bestgehütete Geheimnis, wie diese italienischen Firmen den Kaschmir stricken und anschließend ausrüsten. Meist sind es kleine, hochspezialisierte Familienunternehmen, die ihr Wissen jeweils von Generation zu Generation weitergeben.
Ist Kaschmir nur etwas für die Dame ohne Alter und ihren edel gereiften Gatten?
Kaufmann: Nein keineswegs, besonders die Italiener haben jugendliche Eleganz und Farbe in die Strickmode gebracht. In unserer Kollektion sprechen wir die jüngeren Kunden mit Glitzersteinen von Swarovski, hochwertigen Knöpfen oder kleinen Pelzkragen an. Wir haben junge Kunden, die kaufen einen Pullover für 200 Euro, und den haben sie dann etliche Jahre – bei entsprechender Pflege!
Wie wäscht man das gute Stück, um lange Freude daran zu haben?
Kaufmann: Ich sage immer: in die Waschmaschine damit. Das Wollprogramm ist besser als jede Handwäsche. Viele trauen sich das nicht zu, aber ich habe in unserem Geschäft in Kitzbühel extra eine Waschmaschine aufgestellt und zeige unseren Kunden wie es geht und vor allem dass es geht. Kaschmir braucht Wasser, Wasser, Wasser – je öfter man es wäscht, desto weicher wird es.
Ist Sommerkaschmir Humbug, mit dem Händler das Sommerloch stopfen?
Kaufmann: Nein, es ist das Schönste, was Sie tragen können. Ein Hauch auf der Haut, Sie spüren es gar nicht. Kaschmir passt sich der Hauttemperatur an. Sie werden nie schwitzen und nie frieren. Außerdem ist ein federleichter Kaschmirpullover ideal für die Reise – er passt in
jeden Koffer.
Und welche Akzente setzt Ihre Kollektion für die kalte Saison?
Kaufmann: Es wird sportlich-elegant, ein Mix aus körperbetont und weit in eher längeren Formen. Besonders aktuell sind Kurzkleider und Kurzmäntel in Strick, dazu Leggings oder Röhrenjeans.
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Zu welchem Stück raten Sie Kaschmir-Einsteigern?
Kaufmann: Ich rate unserer Kundin zum Kauf
eines Cardigans in hellen Kaschmir-Naturtönen, oder zu einem
aufwendigen Handstrick-Unikat. Das sind exklusive Teile, die kann man
das ganze Jahr tragen und vor allem gut kombinieren. Den Herren
empfehle ich ein Polohemd als Einstieg.
CASHMERE HOUSE Kitzbühel, Malinggasse + Cashmere House im Hotel „AROSA“ Kitzbühel |
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