Die moderne Ästhetische Medizin
Der Trend in der Ästhetischen Medizin geht zu sanften Methoden, die möglichst keinen oder wenig dauerhaften Schaden verursachen sollen. Die Techniken entwickeln und verfeinern sich zunehmend, starre Therapieschemata werden durch individuelle und ganzheitliche Behandlungskonzepte ersetzt. Die Ästhetische Medizin wird damit zu einem wesentlichen Bestandteil der Anti-Aging Medizin mit Ihrem Ziel den Veränderungen und Krankheiten des Alterns vorzubeugen.
Erfreulicherweise haben sich in den letzten Jahren die Wunschvorstellungen vieler Menschen und auch das Schönheitsideal unserer Gesellschaft verändert: Im Vordergrund steht Natürlichkeit sowie eine Betonung der individuellen Schönheit und nicht mehr Faltenfreiheit um jeden Preis. Das Motto heißt: „Weniger ist häufig mehr“.
Insbesondere Plastische & Ästhetische Chirurgen verstehen den Körper dabei als ästhetische Einheit. Die enge Verbindung von Form, Funktion und Natürlichkeit ist zentrales Element unserer Behandlungsphilosophie, zum Wohle von Gesundheit & Schönheit und damit zum ganzheitlichen Wohlbefinden. Fühlen Menschen sich „äußerlich“ in ihrer Haut schön und wohl, ist eine wichtige Voraussetzung gegeben, sich auch „innerlich“ vital und gesund zu fühlen.
Die Ursachen und Folgen der Hautalterung
Die Ursachen der Hautalterung sind bekanntermaßen vielfältig: Genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen, biochemische Prozesse, Auswirkungen der Schwerkraft und Mimik, Umwelteinflüsse und Lebensgewohnheiten. Die Haut wird insgesamt dünner, fleckiger und anfälliger, verliert Spannkraft und erschlafft zunehmend. Kleine „sympathische“ Fältchen können sich über die Jahre zu tiefen unschönen Falten entwickeln.
Die modernen Methoden der Ästhetischen Medizin
Grundsätzlich empfehlen wir immer schädlichen Umwelteinflüssen zu meiden (besonders intensive Sonnenbestrahlung) sowie die Lebensgewohnheiten zu optimieren (maßvoller Stress, ausgewogene Ernährung und Bewegung, gute Gesichtspflege und Rauchverbot). Die Ästhetische Medizin und allen voran die Plastische & Ästhetische Chirurgie verfügt zusätzlich über viele verschiedene Methoden zur gezielten Verbesserung der störenden Altersveränderungen. Je nach Befund und Patientenwunsch werden die Verfahren auch kombiniert eingesetzt. Die wichtigsten Injektionsbehandlungen werden in dieser Ausgabe von DEEP IN SIGHT vorgestellt, während operativen Verfahren an Augenlidern, Gesicht, Hals, Brust, Bauch, Gesäß, Armen und Beinen in den nächsten Ausgaben folgen.
Die modernen Injektionsbehandlungen
Mit den modernen Injektionsbehandlungen können nicht nur Falten und eingesunkene Gesichtspartien abgemildert oder „unterfüttert“ werden, sondern es lässt sich auch die Hautbeschaffenheit, Elastizität und Spannkraft verbessern. Die Haut wird strahlender, vitaler und schöner.
Das Botulinumtoxin
Botulinumtoxin wird weltweit seit Jahren millionenfach gespritzt. Es löst Verspannungen der häufig überaktiven mimischen Muskeln im Gesicht und führt so zur Entspannung der Haut und Glättung von Falten. Die Wirkung ist immer nur vorübergehend für einige Monate, bevor sich die Muskelfunktion von selbst wieder komplett regeneriert. Neben der bekannten und weit verbreiteten Anwendung bei Zornes- und Stirnfalten lassen sich durch gezielte Mikroinjektionen von Botulinumtoxin auch Krähenfüße an den Augen, hängende Mundwinkel, Falten am Hals sowie Lippen- und Nasenfältchen gut verbessern. Heutzutage nehmen wir lieber nur eine wohldosierte Muskelschwächung als eine komplette Muskellähmung vor. Dadurch bleibt das Gesicht ausdrucksvoll, lebendig und natürlich. Das zu Recht kritisierte bewegungslose „Maskengesicht“ nach einer Behandlung mit Botulinumtoxin sollte eigentlich der Vergangenheit angehören.
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Die modernen Füller
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Füllmaterial werden vornehmlich Hyaluronsäure und seltener Kollagen
oder Eigenfett verwendet. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil
unserer Haut und unseres Bindegewebes, schwindet aber mit zunehmendem
Alter. Es handelt sich biochemisch um langkettige Zuckerverbindungen
mit großer Kapazität Feuchtigkeit zu speichern und damit der Haut
Spannkraft zu verleihen. Nach Injektion bestimmter Hyaluronsäuren wurde
in neueren wissenschaftlichen Untersuchungen auch eine Anregung der
körpereigenen Kollagenbildung und somit ein nachhaltiger Effekt
festgestellt. Durch die fortwährende Produktentwicklung kommen heute
ganz spezielle Gele mit Hyaluronsäureverbindungen für ganz bestimmte
Anwendungen maßgeschneidert zu Einsatz, z. B. zur oberflächigen
Revitalisierung der Haut in Gesicht, Hals und Dekolletés, zur Anhebung
unterschiedlich tiefer Gesichtsfalten, zur Lippenverschönerung, zur
Verjüngung am Handrücken oder zur Unterpolsterung abgesunkener und
eingefallener Gesichtsbereiche. In Fachkreisen sprechen wir bei der
Kombinationsbehandlung im Gesicht mitunter schon vom „Liquid Facelift“,
d. h. einer Gesichtsstraffung durch kombinierten Einsatz verschiedener
Füller, wobei der Straffungseffekt im Vergleich zu
Straffungsoperationen immer nur in begrenzten Maßen möglich ist. Mit
neuentwickelter Hyaluronsäure kann auch am Körper in größeren Mengen
gezielt Volumen zur ästhetischen Modellierung und Verbesserung der
Spannkraft des Gewebes eingebracht werden. Behandlungsareale sind
beispielsweise Gesäß-, Waden- oder Brustbereich. Produkte aus
Hyaluronsäure - wie auch aus Kollagen - sind resorbierbar und werden
vom Körper langsam über Monate abgebaut. Für einen dauerhaften Effekt
sind ebenso wie bei Botulinumtoxin Wiederholungsbehandlungen notwendig.
Durch Weiterentwicklung des Füllmaterials Kollagen ist heutzutage teils
keine vorherige Allergietestung mehr nötig. Permanente Füller, d. h.
nicht-abbaubare Substanzen, sollten aufgrund möglicher anhaltender
Nebenwirkungen in der Ästhetik nicht verwendet werden.
Das Eigenfett
Seit Jahren verwenden viele Plastische & Ästhetische Chirurgen in
den USA Eigenfett zur Injektionsbehandlungen, während sich diese
Methode in Mitteleuropa erst langsam etabliert hat. Die Technik und das
Know-how entwickeln sich ständig weiter. Mit dünnen speziellen
Absaugkanülen wird Fettgewebe schonend von einer anderen Körperstelle
entnommen. Bei den meisten Menschen finden sich Regionen mit
Fettüberschuss, z. B. an Bauch, Hüften oder Oberschenkeln. Das
abgesaugte Fettgewebe wird aufbereitet und kann dann eingespritzt
werden. Im Gesicht können tiefe Falten und Einsenkungen unterfüttert,
Konturen (z. B. Lippen, Wangen und
Kinn) akzentuiert und Asymmetrien ausglichen werden. Aber auch zum
Formen von Körperkonturen und zum Ersetzen von verlorengegangenem
Volumen ist Eigenfett bestens geeignet. Die operative Behandlung ist
aufwendiger wie die oben beschriebenen Injektionsmethoden. Im Vergleich
sind nach Eigenfetttransfer auch für mehrere Tage deutlichere
Schwellungen vorhanden. Insgesamt handelt es sich beim Eigenfett aber
um gut verträgliches „körpereigenes Material“. Bei richtiger Technik
und korrekter Anwendung bleibt ein Teil des eingespritzten Fettgewebes
vital und verbessert damit dauerhaft die behandelte Körperstelle.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Methoden der Ästhetische
Medizin und insbesondere die Plastisch-Ästhetische Chirurgie durch
dafür ausgebildete und spezialisierte Fachärzte vorgenommen werden
sollte. Verpassen Sie in der nächsten Ausgabe von DeepInSight nicht,
wie moderne Straffungsoperationen Gesicht und Hals ästhetisch
verbessern und dabei auch Natürlichkeit erhalten werden kann.
Dr. med. Jörg H. Widmann
Facharzt für Plastische & Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie
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