Deutsch
English / Russian
DeepInSight
 
 
 

Im Gespräch mit Modedesigner
Kaspar Frauenschuh

Kaspar Frauenschuh

DeepInSight: Schaut man sich auf der Internetseite die Geschichte der Firma Frauenschuh an, stellt man fest, dass neben den geschäftlichen Meilensteinen auch gemischt die privaten immer wieder auftauchen. Welchen Stellenwert hat für Sie Familie in der heutigen sehr schnelllebigen Zeit und wie schaffen Sie es, Familie und Geschäft miteinander zu verbinden.

Kaspar Frauenschuh: Für mich liegt die Sinnhaftigkeit der Existenz ganz in der Familie, denn mit unseren Kindern definieren wir unsere Zukunft. Ich selbst stamme aus einer großen Familie und habe vier Schwestern und einen Bruder. Meine Schwester Elisabeth und meine Mutter führen im Gries in Kitzbühel das traditionelle Trachtengeschäft, meine Schwester Marie heiratete mit Lois Stern einen Gastronomen - deren Restaurant „Lois Stern“ in Kitzbühel gehört zu den besten Adressen. Meine Schwester Theresa ist für die Geschäfte zuständig, sodass ich mich ganz auf die eigene Frauenschuh Kollektion konzentrieren kann. Ich widme aber auch meinen Kinder und meiner Familie sehr viel Zeit, wobei es mir wesentlich erscheint, mich auch wirklich ernsthaft mit ihnen zu beschäftigen. Grundsätzlich beginnt unser Tag gemeinsam beim Frühstück, dann treffen wir uns zum Mittagessen und sehen uns beim Abendessen wieder. Ein geregelter Tagesablauf ist für mich somit ein familiäres Grundgerüst. Dazu gehört auch der gemeinsam Urlaub, obschon der mit meinen beiden Söhnen (14/16) und meinen beiden Töchtern (7/12) - rein platztechnisch - mit dem Auto kaum mehr zu bewältigen ist.    


„1974 begann ich damals noch unbekannte junge Designer, wie Jil Sander, Helmut Lang oder Giorgio Armani - von denen ich begeistert war - nach Kitzbühel zu bringen. “


DiS: Sie sind groß geworden in einem Familienbetrieb und lernten dort auch das Gerberhandwerk. War es eine eindeutige Entscheidung, dass der Bruder die Gerberei übernahm und Sie sich um das Geschäft weiter kümmerten?
 

K. F.: Mein älterer Bruder war damals gerade 22 Jahre alt, als er von meinem Vater die Gerberei übernahm. Wie damals üblich, war dies die Aufgabe des ältesten Sohnes in der Familie. Ich selber war 20 Jahre jung,

als ich das Geschäft übernahm. Man muss aber dazu sagen, dass die Ausbildung unseres Vaters, obgleich er sehr streng war, auch sehr gründlich war – gründlicher im Vergleich zu einer heutigen Lehre. Im Grunde lernte ich gleich drei Berufe: Gerber, Lederschneider und Kaufmann. Ich persönlich möchte meinen Kindern die vollkommene Freiheit lassen, was sie später einmal erlernen wollen. Natürlich wünscht man sich, dass der Familienbetrieb in die dritte Generation geht und die Philosophie fortgeführt wird, aber darauf müssen meine Kinder ganz von selbst kommen. Ich möchte sie da weder zwingen noch zu stark beeinflussen.  

DiS: Hatten Sie jemals den Wunsch einen anderen Weg einzuschlagen, der nicht mit Mode zu tun hat?

K. F.: Ich selbst wäre damals am liebsten auf eine HTL (Höhere Technische Lehranstalt; ist mit Abitur) gegangen und wurde extrem durch meine damaligen Freunde beeinflusst. Im Nachhinein bin ich aber froh, dass es so gekommen ist, wie es sich eben entwickelt hat. Ich wäre mit dieser Berufsrichtung wahrscheinlich auch nicht glücklich geworden.

DiS: Wie kamen Sie 1995 auf die Idee, die schon legendären „Frauenschuh-Fleecejacken“ zu entwerfen?

K. F.: 1974 begann ich damals noch unbekannte junge Designer, wie Jil Sander, Helmut Lang oder Giorgio Armani - von denen ich begeistert war - nach Kitzbühel zu bringen. Traditionelle Produkte interessierten mich damals gar nicht, dafür umso mehr moderne, junge Trends. 1980 bekam ich dann Sehnsucht, etwas Eigenes zu machen und fing an, Lederjacken mit kleinen Produzenten in Italien zu kreiern. Allerdings fruchtete dies nie  - ich wurde sogar über den Tisch gezogen. 1993 hatte ich die Idee, die weiten Jacken der 60er-Jahre zu reformieren und moderner zu gestalten. In dieser Zeit waren gerade die Retro-Skijacken und Jethosen wieder „in“. Ich war auch immer sehr begeistert von den traditionellen Dirndln, weil sie nicht nur eine bessere Figur machen, sondern auch einen tollen Busen ... das wirkt einfach sehr feminin. Mein Wunsch war es immer die traditionellen Wurzeln aufzugreifen. So entstand die erste Fleecejacke – figurbetont und funktionell, für den Sport ...zum Skifahren. Sie hatte eine perfekte Passform, einen Zentralreißverschluss und einen Kragen, ähnlich wie bei einem Taucheranzug.


Frauenschuh

„Wenn wir immer nur auf den höchsten Profit aus sind und Raubbau an unseren Ressourcen begehen, wäre das gegen alles, wofür die Marke Frauenschuh steht bzw. meine persönliche Überzeugung.“


DiS: Frauenschuh-Produkte stehen für Qualität und Langlebigkeit - Made in Austria. Stehen diese Merkmale nicht in Konflikt mit Produktivität und Return on Invest - Würde es nicht nahe liegen, wie in der Modebranche üblich, die Produktion nach Osteuropa oder gar China zu verlegen?

K. F.: Grundsätzlich haben wir unseren Kindern und somit auch unserer Nachwelt gegenüber die Verantwortung, eine intakte Umwelt zu übergeben. Wenn wir immer nur auf den höchsten Profit aus sind und Raubbau an unseren Ressourcen begehen, wäre das gegen alles, wofür die Marke Frauenschuh steht bzw. meine persönliche Überzeugung. Es gab für mich immer nur ein Ziel – ich wollte etwas Gutes produzieren und lieber weniger davon, dafür aber besser. Als ich 1992 diese Leitsätze definierte, glaubte noch jeder, dass der Erfolg in der Produktivität und der Masse liegt. Es meinten damals viele, dass mein Konzept nicht gefragt sei. Für mich war aber klar, dass wir in Österreich produzieren, nur ein paar spezielle Materialien kamen aus Norditalien und der Schweiz. Ich tendierte auch immer zum Individualismus anstatt zu Massenprodukten. Der Grundgedanke in limitierter Stückzahl mit hoher Qualität zu produzieren und dabei an unsere Umwelt zu denken, wurde damit bereits in jener Zeit tief in der Philosophie der Marke Frauenschuh verankert.  Meiner Meinung nach, ist es ein generelles Problem unserer Welt, alles nur auf Wachstum und Rendite auszulegen anstatt auf Qualität und Bestand. Obwohl es gerade in der Modebranche ein Widerspruch ist, von längerem Bestand zu sprechen - die Kollektionen kommen ja permanent neu auf den Markt – werden Produkte aus der Frauenschuh Kollektion mit der Zeit sogar schöner. Mir ist es auch sehr wichtig, dass ich mich Vorort von der Qualität der Produktion überzeugen kann, um gegebenenfalls auch persönlich einschreiten zu können. In Osteuropa oder China hätte ich diese Option nur bedingt. Ich würde immer jemanden brauchen, der sich um die Qualitätskontrolle kümmert.



 
DiS: 2002 entstand die erste Frauenschuh Sportswear Kollektion, welche 2005 und 2007 sogar mit dem „Global Sportsaward“ ausgezeichnet wurde. Was bedeutet diese internationale Auszeichnung für Sie persönlich?
 
K. F.: Natürlich freut man sich über eine derartige Auszeichnung und es hat mir gezeigt, dass der Weg stimmt. Es war beide Male  ein schönes Kompliment, zumal bei derartigen Awards natürlich auch die ganz Großen mit von der Partie sind. Und sich gegen ein Unternehmen wie Prada zu behaupten, ist schon nicht schlecht. Irgendwie war ich auch ein wenig überrascht, als eigentlich ganz Kleiner zu gewinnen, da die Big Brands sehr viel Geld in diese Auszeichnungen stecken und es oft den Anschein hat, dass hierbei viel getürkt wird. Im Endeffekt ist es aber wie bei allen Dingen – Fragt man 10 verschiedene Leute, bekommt man 10 unterschiedliche Antworten. Es ist mir gar nicht wichtig es allen „recht“ zu machen, sondern mein Ding durchzuziehen und vor allem authentisch zu bleiben.

DiS: Welche Interessen verfolgen Sie in Ihrer Freizeit – wie entspannen Sie sich. Man weiß in Kitzbühel, dass sie sehr gerne regelmäßig nach Frankreich auf Urlaub fahren. Was verbindet Sie mit Frankreich?

K. F.: Ich habe mit meiner Familie in Südfrankreich fast fünf Jahre zur Hälfte gewohnt. Ich bin wirklich sehr gerne dort. Die Welt ist ein wenig größer als hier in Kitzbühel, sehr international – vor allem die Côte d‘Azur. Die Franzosen sind zwar manchmal etwas schwierig... konservativ und eigensinnig, dafür aber auch sehr herzlich und freundschaftlich, wenn man sie einmal besser kennt. Verglichen mit Amerika, wo ein „Nice to meet you!“ oft wenig Bedeutung hat, meint man in Südfrankreich was man sagt. Und: Obwohl es sehr international ist, läuft das Leben hier nach eigenen Gesetzen ab. Es gibt auch noch sehr viel kleine Krämerläden und Märkte, wo man frische Produkte einkaufen kann. Was ich persönlich im Vergleich zu sterilen Supermärkten bevorzuge. Die Qualität ist einfach um vieles besser. Auch wenn die Produkte ein wenig teurer sind als in den Supermärkten, brauche ich doch weniger Geld. Denn in den Supermärkten wird man durch die Angebote oft dazu gedrängt, mehr zu kaufen als eigentlich notwendig. Was nützt es mir, wenn ich acht Semmeln kaufe und sechs davon wegwerfen muss, weil ich sie nicht esse? Am Markt kaufe ich das, was ich gerade an diesem Tag brauche - frisch und in bester Qualität. Ich bin wirklich sehr gerne in Südfrankreich und fahre auch regelmäßig dorthin.

Frauenschuh

DiS: Welche privaten bzw. geschäftlichen Ziele streben Sie für die Zukunft an?

K. F.: Wir sind eine große Familie und genau betrachtet, hat sich mein Traum in jeder Hinsicht erfüllt. Zuerst waren wir mit der Gerberei ein Produzent, haben uns  dann als Retailer weiterentwickelt und sind jetzt unsere eigenständige Marke. Aber nochmals: wir möchten nicht zu groß werden. Und  vielleicht arbeite ich aber einmal mit anderen Designern zusammen. Solchen, die nicht nur einfach Kollektionen entwerfen, sondern der Marke Frauenschuh auch etwas bringen. In Paris werden wir demnächst einen Showroom eröffnen und u.a. damit unser Ziel forcieren den Vertrieb auf 200 Kunden weltweit ausbauen. Auch das Geschäft in Kitzbühel wird demnächst umgebaut und erweitert - die Pläne dafür stehen schon und sehen wirklich toll aus.


DiS: Wie sehen Sie die Zukunft für Ihre Heimatstadt Kitzbühel? Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der Gamsstadt?

K. F.: Kitzbühel ist ganz klar ein Ort, der für legendären Lifestyle und Tradition steht. Wir Kitzbüheler werden uns klar entscheiden müssen, was wir in Zukunft bieten und wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Wir müssen finden, was zu Kitzbühel passt und die Defizite beseitigen, indem wir alle gemeinsam daran arbeiten. Es ist wichtig, dass die Kitzbüheler wieder zusammenstehen, Streitereien und Unstimmigkeiten im Gespräch beilegen – und den alten Pioniergeist, der Kitzbühel groß gemacht hat, wieder neu aufleben lassen.

DiS: : Lieben Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 
 
  Navigationslinks überspringenKaspar Frauenschuh im Interview

Inhalt Ausgabe Sommer 09

Kaspar Frauenschuh im Interview
Salone Internationale del Mobile
Salzburger Festspiele 2009
News & Events
Tiroler Festspiele 2009 in Erl
Armida
Almrauschparty 2009
InSight Golf Special
Museum Brandhorst
Insight Gourmet
Stilvolle Innovationen Sommer 09
DeepInSight Immobilien LookBook
Nummern
Stadtplan

 

News & Events

Could not find a type for a name. The type name was 'Telerik.News.WebControls.NewsList, Telerik.News, Version=3.2.1526.1, Culture=neutral, PublicKeyToken=dfeaee0e3978ac79'.
Salone Internationale
del Mobile – Dolce Vita
fürs Design

Die Trens der internationalen
Möbelmesse in Mailand 2009.

lesen Sie mehr...

InSight Gourmet

Unsere Gourmetfavoriten
für einen unvergesslichen
Sommer 2009.

lesen Sie mehr...

© 2008 - 2009 DeepInSight