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  Armida
 

Armida © Monika Rittershaus


Um die Belagerung von Damaskus durch das christliche Heer abzuwehren, sandte Idreno seine Nichte Armida aus, den tapfersten Krieger der Feinde, Rinaldo, zu verführen. Dieser erlag ihren Künsten und verließ seine Truppe. Die Liebe hat ihn vergessen lassen, wer er ist. – Auch Armida hat sich in Rinaldo verliebt.


Erster Teil

Die Christen stehen bereits vor den Toren von Damaskus. Idreno verheißt Rinaldo den Thron und die Hand von Armida, wenn er gegen die Christen in den Krieg zieht. Rinaldo nimmt die Herausforderung an und verabschiedet sich von Armida.
Armida fürchtet um das Leben ihres Geliebten und macht sich heftige Vorwürfe, weil sie ihn in die Schlacht gegen seine Glaubensbrüder getrieben hat. Zudem spürt sie, dass sie selbst ein Opfer der Liebe geworden ist. Der Anführer der Christen, Ubaldo, bereitet den Angriff auf Idrenos Burg vor. Ein Sturm verhindert die Attacke.
Zelmira ist von Idreno beauftragt, die christlichen Krieger zu verführen und damit in einen Hinterhalt zu locken. Sie trifft auf den jungen Clotarco, verliebt sich in ihn und verrät ihm geheime Pfade, welche die Strategien der Christen begünstigen können.
In der Schlacht werden Idrenos Truppen zurückgedrängt. Armida, die an ihren magischen Kräften zweifelt, rät zur diplomatischen Lösung des Konflikts. Ihre geheime Absicht ist, Rinaldo nicht erneut in Lebensgefahr zu bringen. Da sie aber befürchtet, es könne zu einer Begegnung zwischen ihm und seinen früheren Kameraden kommen, bittet sie ihn, sich vor den Christen zu verbergen.
Dennoch trifft Rinaldo mit Ubaldo zusammen. Dieser ermahnt ihn an seine Pflichten: Rinaldo erwacht aus seinem Liebesrausch zu neuem Bewusstsein. Er beschließt, sich von Armida zu trennen, doch ihre Vorwürfe und ihre Verzweiflung halten ihn zurück.
Idreno wähnt sich in Sicherheit, solange Rinaldo für Armida und ihn kämpft. Er plant, die Christen nach den Verhandlungen auf ihrem Rückweg ins Lager heimtückisch zu überfallen. Zelmiras Warnungen schlägt er ebenso in den Wind wie Clotarcos Plädoyer für friedvolle Verständigung.
Unter massiven Drohungen fordert Ubaldo von Idreno die Freigabe Rinaldos. Im Übermut gibt Idreno nach: Rinaldo selbst möge entscheiden, ob er bei Armida bleiben oder zu den Christen zurückkehren möchte.
Rinaldo fühlt sich mehr und mehr im Zwiespalt zwischen Neigung und Pflicht. Mit Ubaldos Hilfe sagt er sich von Armida los. Sie verflucht ihn.

 
Zweiter Teil

Rinaldo ist vollkommen entkräftet ins Lager der Christen zurückgekehrt. Ubaldo spricht ihm Mut zu: Bald werde er Taten vollbringen, die seiner würdig sind – und Armida vergessen.
Rinaldo findet sich in Armidas Zauberwald wieder. Er ist entschlossen, das Symbol seiner Liebe zu Armida, den Myrtenbaum, zu fällen. Zelmira versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Armida fleht ihn an, zu ihr zurückzukehren und die Myrte zu verschonen. Rinaldo schwindelt es.
Am nächsten Morgen sucht Armida Rinaldo in seinem Feldlager auf. Er entscheidet sich für den Krieg. Armida wird ihn nicht mehr loslassen.

Zur Produktion

Eine geheimnisvolle Zauberin aus dem Orient verführt einen heldenhaften christlichen Ritter. Dieser kehrt schließlich, nachdem er militärischen Ruhm und Vaterland vergessen zu haben schien, doch wieder zu seinem Heer zurück und will fortan weiter gegen die Heiden kämpfen. – Unzählige Male ist diese Geschichte von Armida und Rinaldo vertont worden und über Jahrhunderte hinweg waren Dichter, Komponisten und Publikum davon fasziniert. Nun, da Orient und Okzident einander gleichermaßen neugierig und feindlich näher kommen, scheinen wir von Neuem empfänglich für die Erzählung aus den Zeiten der Kreuzritter.
Haydns Oper schildert nicht Entstehen und Zerbrechen einer großen Liebe, sondern beschäftigt sich ausschließlich mit der finalen Krise einer Zweierbeziehung. In quälender Ausführlichkeit wird beschrieben, wie Held und Heldin sich immer mehr voneinander entfernen: Rinaldo holt die eigene Vergangenheit ein, der Kulturkreis, den er verlassen hat; Armida wiederum liefert sich der Liebe aus, verliert dabei aber immer mehr sich selbst, die eigene Identität und damit auch an Attraktivität für Rinaldo.
Somit offenbart sich das Dramma eroico als ein Kammerspiel von archaischen Dimensionen und Haydn als ein moderner Opernkomponist.

Text: Christof Loy

 
 
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