| Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes Bekehrung ereignet sich nicht im Herunterbeten frommer Formeln. Diese Botschaft arbeitet Christian Stückl in seiner revidierten Wiederaufnahme des Jedermann dramaturgisch ganz neu heraus. Die späte Einsicht des Jedermann, am eigenen Leben vorbeigegangen zu sein, wird zum Dreh- und Angelpunkt von Bekehrung – ermöglicht und ausgelöst durch den vertrauensvollen Blick der Frau. In diesem Blick sieht er, dass der Stab nicht über sein Leben gebrochen wurde. Das ist am Ende der Glaube, der Jedermann abverlangt wird: Dass Gott es gut mit ihm und seinem Leben gemeint hat und bis zuletzt meint. Dass der Schöpfer sein Geschöpf auf eine Spur gesetzt hat und den Menschen jenseits aller Abweichungen und
Fehltritte dorthin zurückführt. Bekehrung ist mehr als Umkehr, es ist Heimkehr: Das Ankommen bei sich selbst, bei jenem humanen Wesenskern, der von Anfang an in jedem Menschen angelegt ist. Text: Josef Bruckmoser | |  |