| Märchenhaftigkeit und höherer Sinn Die Zauberflöte ist Mozarts populärste und zugleich rätselhafteste Oper. Vereinigt Schikaneders Libretto Freimaurer-Symbolik und Ägyptenmode mit Einflüssen des Wiener Volkstheaters und der "Maschinenkomödie", so zeichnet sich die Oper musikalisch durch ihre Heterogenität aus: Das Pathos der Königin der Nacht steht neben Papagenos Volkstümlichkeit, Rührendes neben Sakralem, Erhabenes neben Buffoneskem. "Hohe" und "niedere" Stilebene stellt Mozart dabei ganz wertfrei in den Dienst der Charakterzeichnung: Nicht an Schablonen ist er interessiert, sondern an Menschen, die er in der widersprüchlichen Vielfalt ihrer Gedanken und Gefühle schildert. So erscheint gerade der aufgeklärte "Ideologe" Sarastro als höchst ambivalente Persönlichkeit. Will man "Läuterung zur reinen Humanität" (Stefan Kunze) als zentrale Idee der Zauberflöte erkennen, so muss man sich fragen, wer dieser Humanität tatsächlich am nächsten kommt: Sarastro oder Tamino oder Pamina …? Pierre Audis Inszenierung in den leuchtend farbigen Bühnenbildern des großen niederländischen Malers Karel Appel (1921–2006) versteht die Zauberflöte vor allem in ihrer Tradition als Zauber- und Märchenoper: ein Schau-Spektakel von überbordender Fantasie und Vitalität. Text: Josef Bruckmoser |